Interview mit Stefan Kruecken - Navigieren durch Event-Stürme
Seit geraumer Zeit kreuzt der Ankerherz Verlag regelmäßig meinen Weg – und das ist kaum ein Wunder, denn privat trennen mich nur ein paar Schritte vom lebendigen Treiben dieses Verlags. Direkt neben unserer kleinen Postannahmestelle in Hollenstedt liegt das charmante „Kaufhaus am Meer“. Dort werfe ich hin und wieder einen neugierigen Blick durch das Schaufenster des Ankerherz-Shops, der nicht nur mit Büchern lockt, sondern auch mit einer vielfältigen Auswahl an maritimen Gegenständen, Kleidung und Accessoires.
Doch meine Begegnungen beschränken sich nicht nur auf gelegentliche Schaufensterbummel. Im Umfeld der Eventmanager und Hoteliers, mit denen ich täglich zu tun habe, ist Ankerherz inzwischen ebenfalls ein Gesprächsthema. Sei es durch die impulsgebende Kooperation zwischen einem Hotel und Ankerherz, die spontan zum Kernthema einer Session auf dem HSMA MICE Camp avancierte, oder das perfekt ausgewählte Geburtstagsgeschenk unserer Verbands-Geschäftsstellenleiterin an mich – stets sind es die Geschichten von Ankerherz, die immer wieder auftauchen. Nicht zu vergessen die Anfragen von Hoteliers, die darauf brennen, mit dem kreativen Team von Ankerherz ein maßgeschneidertes Storytelling für ihre Häuser zu entwickeln.
Vor diesem Hintergrund war es nur eine Frage der Zeit, bis ich eine Kollaboration zwischen dem River Loft Hotel in Brunsbüttel und Ankerherz auf den Weg bringen durfte. Ein Impuls auf Basis des aktuellen Buches „Das muss das Boot abkönnen“ vom Bestsellerautor und Verlagschef Stefan Kruecken mündet nun in die gemeinsame Planung einer spannenden Veranstaltung für Veranstaltungsplaner aus Agenturen und Unternehmen. In diesem Kontext bot sich mir die Gelegenheit, ein ausführliches Interview mit Stefan Kruecken zu führen.
Bernd Fritzges: Stefan, wie kam es zur Gründung von Ankerherz, und nach welchen Kriterien wählst du die Geschichten aus, die ihr veröffentlicht?
Stefan Kruecken: Die Idee zu Ankerherz kam mir in Hamburg an einem Tag, als die Zeitungen voller nichtssagender Geschichten waren. Ich fragte mich, wer heutzutage noch zeitlose, romantische und abenteuerliche Geschichten erzählt. Meine Suche führte mich zu einem alten Kapitän, der im perfekten Sturm auf dem Nordatlantik war. Diese Geschichte wurde als „Der Sturm“ mit George Clooney und Mark Wahlberg verfilmt. Dies inspirierte uns, ein Buch zu machen, und daraus entstand der Verlag. Ich suche bis heute Geschichten nach diesen drei Kriterien aus: zeitlose, romantische Abenteuer. Idealerweise geben sie den Lesern auch etwas für ihr Leben mit, sodass sie nicht nur unterhalten werden, sondern auch Inspiration und Anregung für das eigene Leben finden. Wenn diese Verbindung gelingt, ist das Buch oft erfolgreich.
Bernd Fritzges: In deinem Buch „Das muss das Boot abkönnen“ bietest du tiefe Einblicke in die Welt der Seefahrt. Welche Lektion ist dir am wichtigsten?
Stefan Kruecken: Die Geschichte des Fischtrawler-Kapitän von Staa aus Cuxhaven gefällt mir am besten. Er befand sich in einer sehr schwierigen Situation mit einem Feuer an Bord während eines Sturms. Die Crew wurde evakuiert, aber er weigerte sich, das Schiff zu verlassen, zog einen Überlebensanzug an und blieb, um für sein Schiff zu kämpfen. Er wollte sein Schiff nicht aufgeben und blieb, bis das Feuer unter Kontrolle war. Diese Resilienz beeindruckt mich sehr. Ähnlich verhält es sich mit einer anderen Geschichte über einen dänischen Kapitän, der während eines Sturms mit einem Ruderdefekt sein Schiff nicht aufgeben wollte, trotz der Tatsache, dass das Schiff kenterte und die Lage aussichtslos schien. Auch er blieb an Bord und kämpfte. Diese Geschichten von unerschütterlichem Kampfgeist und der Weigerung aufzugeben, inspirieren mich besonders.
Bernd Fritzges: Wie beeinflussen die im Buch beschriebenen Erfahrungen deine persönliche und berufliche Einstellung, gerade im Umgang mit Krisen?
Stefan Kruecken: Wir alle durchleben Stürme, sei es durch persönliche oder globale Krisen wie die Pandemie oder politische Unsicherheiten. In meinem Buch habe ich die Essenz aus hunderten Stunden Interviews mit Kapitänen und meine eigenen Erfahrungen als Kriegsreporter zusammengetragen. Ein wichtiger Gedanke, den ich oft von einem alten Fischer hörte, war, dass die wichtigsten Dinge im Leben deine Familie und Gesundheit sind; alles andere kannst du irgendwie regeln. Dieser Gedanke gab mir Kraft, besonders während der Corona-Zeit. Die Vorbereitung auf Stürme, das Führen in Krisenzeiten und das Bewahren von Ruhe sind zentrale Fähigkeiten, die ich aus diesen Geschichten gezogen habe und die mir persönlich sehr geholfen haben.
Bernd Fritzges: Jetzt habe ich die große Freude, gemeinsam mit deiner Unterstützung an einem Event-Projekt im Juni im River Loft Hotel teilhaben zu können. Was ist deine Rolle in der bevorstehenden Veranstaltung und was möchtest du den Teilnehmern vermitteln?
Stefan Kruecken: Ich werde über den Umgang mit Stürmen sprechen und darüber, was wir von alten Kapitänen über Resilienz und Krisenmanagement lernen können. Die Hauptbotschaft wird sein, Mut statt Wut zu zeigen und einen optimistischen Blick in die Zukunft zu wagen. Ich möchte den Teilnehmern Mut machen und sie inspirieren, selbst in schwierigen Zeiten optimistisch und handlungsfähig zu bleiben.
Bernd Fritzges: Welche spezifischen Learnings könnten Vertreter der Meeting- und Eventbranche aus deinen Erfahrungen mitnehmen?
Stefan Kruecken: Um im Bild zu bleiben mit einem Schiff, das sich in einem Sturm befindet: Die MICE-Branche ist diejenige, die als erste Corona gespürt hat und als letzte noch stark davon betroffen war. Das bedeutet, dass die Branche jetzt lernen muss, wie Widerstandsfähigkeit und Transformation schnell gelingen können. Es ist eine Zeit der Wahrheit, denn wahrscheinlich keine andere Branche ist so betroffen. Und immer dann, wenn eine Krise eintritt, zeigt sich, wer wirklich vorbereitet ist. Ein Satz in meinem Buch lautet: Schönwettersegeln kann jeder. Wer ein guter Kapitän oder Steuermann ist, zeigt sich, wenn es mal knallt, der Wind von vorne kommt und die Wellen hochschlagen. Deswegen glaube ich, dass das Thema unserer Veranstaltung – wie wir das Schiff in den Hafen kriegen und was wir dafür benötigen – sehr gut zu der aktuellen Situation passt. Welche Eigenschaften sind nötig? Was müssen wir alles an Qualitäten mitbringen? Wie müssen wir das Schiff womöglich umbauen? Um im Bild zu bleiben: Setzen wir mal andere Segel – die Sturmsegel.
Bernd Fritzges: Zurück zum Steuermann Stefan Kruecken. Was können wir in Zukunft von Ankerherz erwarten?
Stefan Kruecken: Ankerherz wird weiterhin starke, inspirierende Geschichten erzählen, sei es durch Bücher, Mode, Reisen oder Events. Jedes Buch baut eine eigene kleine Welt um sich auf, die wir durch verschiedene Medien und Formate erweitern. Storytelling bleibt unser Kern, und wir planen, dieses in allen unseren Aktivitäten modern und erlebbar zu machen.
Bernd Fritzges: Zu guter Letzt: Gibt es eine persönliche Geschichte aus deinem Leben, die besonders prägend war oder die vielleicht in einem zukünftigen Buch verarbeitet wird?
Stefan Kruecken: Die prägendste Zeit war sicherlich meine Arbeit als Polizeireporter für die Chicago Tribune, in der Nachtschicht während eines gewalttätigen Sommers mit Bandenkriegen. Das war eine sehr lehrreiche, zugleich aber brutale Zeit, in der ich extrem viel von meinem damaligen Chef, William Recktenwald, lernte. Diese Erfahrungen haben mich nicht mehr losgelassen und haben mich tief geprägt. Auch die zahlreichen Reisen und Reportagen aus über 80 Ländern haben mich beruflich und persönlich stark beeinflusst. Diese Erlebnisse bilden oft die Basis für die Geschichten, die wir bei Ankerherz erzählen.
Bernd Fritzges: Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch, Stefan.
Tipp: MICE-Profis, die Stefan Kruecken und die Veranstaltungsmöglichkeiten im River Loft Hotel in Brunsbüttel am 20. und 21.06.2024 live erleben möchten, können sich unter www.micedesk.de/riverloft akkreditieren.
Über Stefan Krucken:
Stefan Kruecken, geboren 1975, ist ein renommierter Reporter und der Gründer des Ankerherz Verlags. Er ist Autor mehrerer SPIEGEL-Bestseller, darunter „Sturmwarnung“ und „Unverkäuflich!“, und hat als Reporter weltweit aus mehr als 80 Ländern berichtet.
Kruecken studierte Politische Wissenschaften, Germanistik und Anglistik in Köln und schloss sein Studium mit einem Magister Artium (M.A.) ab. Bereits in jungen Jahren begann er seine Karriere im Journalismus und arbeitete unter anderem als Polizeireporter für den Kölner Stadt-Anzeiger. Ein Stipendium der renommierten Alfred F. Burns Fellowship ermöglichte ihm wichtige Erfahrungen als Polizeireporter bei der „Chicago Tribune“ unter der Leitung des Pulitzer-Preisträgers Bill Recktenwald.
Mit 25 Jahren wechselte Kruecken zum Magazin „max“ und berichtete als Reporter aus Kriegs- und Krisengebieten. Als freier Reporter schrieb er für namhafte Publikationen wie den „Spiegel“, den „Stern“, die „Welt am Sonntag“, den „Tagesspiegel“ und die Schweizer Blick-Gruppe, bevor er Chefreporter des Magazins GQ wurde. Seine Reportagen führten ihn um die ganze Welt, von Grönland bis nach Kap Hoorn, von Uganda bis Rio.
Im Jahr 2007 gründete Kruecken gemeinsam mit seiner Frau Julia den Ankerherz Verlag. Der Verlag publizierte mit einem anspruchsvollen Programm insgesamt sechs SPIEGEL-Bestseller und bietet neben Büchern auch Mode, Accessoires und Reisen an, unter anderem nach Island, Finnland und England. Der Sender Radio Ankerherz ist weltweit im Stream zu empfangen und verzeichnet seit seiner Gründung eine kontinuierlich wachsende Reichweite. In den Sozialen Medien folgen Ankerherz mehr als 400.000 Menschen, hauptsächlich auf Facebook und Instagram